Geschichte und Wirkung der Hyperthermie

Fieber ist nicht nur eine wirkungsvolle Immunreaktion bei Menschen und Säugetieren. Auch bei wechselwarmen Tieren reagiert der Körper auf Infektionen mit einer Erhöhung der Körpertemperatur. Dies führt zu einer besseren Ausheilung von Infekten und somit zu einer höheren Überlebenschance. Fieber ist also kein Symptom, das vermieden oder gar bekämpft werden muss, sondern ist die evolutionär erfolgreichste Infektionsbekämpfung. Viele Erreger sterben bei erhöhter Temperatur ab oder werden zumindest gehemmt, sodass das Immunsystem effektiver arbeiten kann. Zudem wird die Abwehr unseres Körpers durch die erhöhten Temperaturen erst richtig aktiv.

Anfang des 20. Jahrhunderts war die Infektionstherapie mit Hilfe eines künstlich erzeugten Fiebers entwickelt worden. Hierbei wurden Patienten entzündungsauslösende Stoffe verabreicht. Für die Entdeckung dieser Methode hat Julius Wagner-Jauregg 1927 den Nobelpreis für Medizin erhalten. Dieses heute als aktive Hyperthermie bezeichnete Verfahren, verlor nach der Entdeckung des Penicillins an Bedeutung. Viele Krankheiten lassen sich mit Antibiotika wirkungsvoller behandeln und vor allem ohne die Nebenwirkungen der fieberauslösenden Stoffe.

Antibiotika zeigten nicht bei allen Erkrankungen Wirkung. In der Mitte des 20. Jahrhunderts wurde vereinzelt die Überwärmungstherapie eingesetzt, bei der durch heiße Bäder der Körper daran gehindert wird, Wärme abzugeben.

Seit einigen Jahrzenten wird in der Onkologie vermehrt die passive Hyperthermie angewandt. Bei dieser Behandlungsmethode wird der Körper von außen z.B. mit Infrarotstrahlung erwärmt. Die Wärme sorgt für eine Aktivierung des Immunsystems, einer besseren Wirkung von Chemo- und Strahlentherapie sowie einer Hemmung der Stoffwechselprozesse im Tumorgewebe. Die Anwendung kann lokal begrenzt werden auf einen Bereich oder ein Organ. Es kann aber auch der ganze Körper erwärmt werden. Ebenfalls variiert der Grad der Erwärmung.

Bei der Ganzkörperhyperthermie unterscheidet man zwischen drei Varianten. Die moderate Ganzkörperhyperthermie erwärmt den Körper auf maximal 40 °C und ist dazu geeignet, das Immunsystem zu stimulieren und damit eine stärkere Abwehr des Körpers zu gewährleisten. Die Intermediäre Ganzkörperhyperthermie bewegt sich im Bereich von 40 °C – 41,5 °C und führt zu einer verbesserten Wirkungsweise von Medikamenten z.B. in der Chemotherapie und bei Antibiotikas. Die extreme Ganzkörperhyperthermie von 41,6 °C – 42 °C verstärkt diesen Effekt noch einmal.

Was hat das mit Borreliose zu tun?

Bei einer chronischen Borreliose haben sich die Erreger im ganzen Körper verteilt und befinden sich sogar innerhalb der Zellen. Zusätzlich können sich Borrelien mit einem Biofilm umschließen, der sie für Immunzellen und Antibiotika nahezu unangreifbar macht. So können Antibiotika das Innere der Zellen nur bedingt erreichen. Eine entsprechende Therapie wird daher gegebenenfalls nicht zu einer Linderung der Symptome führen.

Es hat sich gezeigt, dass Borrelien thermolabil sind und bei Temperaturen von über 41,6 °C absterben. Bei der Extreme Ganzkörperhyperthermie wird die Körperkerntemperatur auf über 41,6 °C erhöht um diesen Effekt zu nutzen. Die Vorteile zu einer Antibiotikatherapie sind die Erreichbarkeit der Borrelien, da die Wärme auch in die Zellen dringt. Bei einem Antibiotikum lässt sich nicht sicherstellen, dass überall im Körper der gleiche Wirkstoffspiegel erreicht wird. Mit der extremen Ganzkörperhyperthermie lässt sich nicht nur der ganze Körper erreichen, sondern auch einheitlich dieselbe Temperatur einhalten. Es kann daher auf eine monatelange Antibiotikagabe verzichtet werden, die für den Patienten neben der Krankheit eine zusätzliche Belastung darstellt. Gleichzeitig wird auch das Immunsystem stimuliert und kann mehr zur Bekämpfung der Borrelien beitragen.

Ca. 90% der Patienten bestätigen eine drastische Verbesserung ihres Krankheitsverlaufs.